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Super Mitwoch 28.09.2011
Tee und Textilien zu fairen Preisen
Aachen ist jetzt „Fair Trade Town" - Doch das kann nur ein Anfang zum Umdenken sein
Nach einem offiziellen Akt trägt die Stadt Aachen jetzt für zwei Jahre das Siegel „Fair Trade Stadt".
„Damit haben wir zwar einen großen Schritt getan, stehen aber noch am Anfang und müssen nun beweisen, wie ernst es uns mit fair gehandelten Produkten im täglichen Leben ist.
Das Thema fairer Handel passt in die Stadt. Viele Bürger sind sehr kritisch geworden, schauen bei den Produkten genauer hin, fragen, wo kommen sie her, wie sind sie hergestellt worden", sagte Bürgermeisterin Hilde Scheidt bei der Verleihung im Weißen Saal des Rathauses. Die Stadt habe die Aufgabe, die Menschen aufzuklären, doch der Prozess müsse von „unten herauf wachsen", zum Beispiel durch bürgerschaftliches Engagement. In Aachen gibt es derzeit etwa 60 Geschäfte, in denen fair gehandelte Produkte angeboten werden.
„Die Nachfrage bestimmt den Markt. Und diese Nachfrage nach fairen Produkten ist gestiegen und der Handel stellt sich darauf ein", so Manfred Piana vom Einzelhandelsverband Aachen-Düren.
Dirk Deutz als Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga sagte, dass die Branche stark interessiert sei, allerdings müsse auch das Bewusstsein geschaffen werden. „Fair gehandelte Produkte sind nur unwesentlich teurer und mit der früheren Qualität nicht mehr zu vergleichen. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind Bio-Produkte stark im Kommen, drücken inzwischen sogar Life-Style aus."
Und auch TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath, der das Siegel überreichte, ist sicher, dass sich fair gehandelte Produkte weiter durchsetzen und nannte England als „Mutterland des fairen Handels" mit einem jährlichen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro in diesem Bereich.
Und dennoch: „Jeder wendet sich gegen Kinderarbeit oder unmenschliche Produktionsbedingungen, doch beim Kauf z.B. eines T-Shirts entscheiden sich viele oft genug für das billige, das eben unter eben solchen schlechten Bedingungen hergestellt worden ist", so Dieter Overath.
Dr. Mona Pursey, Koordinatorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit
in der Region Aachen nannte den fairen Handel eine „gesellschaftliche Querschnittsausgabe, die vor allem vom bürgerschaftlichen Engagement lebe. Sie ist außerdem Mitglied der Steuerungsgruppe fairer Handel, in dem Vertreter des Handels, Dehoga, IHK, Stadt Aachen und Bürger vertreten sind. Die Gruppe will Öffentlichkeit schaffen, Veranstaltungen wie Weltfest und Weltladentag organisieren, informieren, was in Aachen in Sachen fairer Handel passiert.
Unter dem Motto „Fair ist mehr!" finden noch bis Freitag, 30. September, im Aachener Weltladen, Jakobstraße 9, einige Aktionen im Rahmen der fairen Woche statt. (als)
AACHENR Nachrichten 27.09.2011
„Im fairenHandel jetzt in der ersten Liga“
Aachen offiziell zur „Fairtrade-Town" ernannt. 60 Läden und 30 Lokale bieten fair gehandelte Produkte an.
VON MARTINA STÖHR
Der weiße Saal im Rathaus war bestens gefüllt, als die Stadt Aachen jetzt ganz offiziell zur Fairtrade-Town" ernannt wurde.
Mit so vielen Gästen hatte selbst Bürgermeisterin ' Hilde Scheidt nicht gerechnet.
Ein: Reigen aller beteiligter Organisationen " hatte sich eingefunden, als Dieter Overath, Trans-Fair Geschäftsführer die Urkunde übergab. „Aachen spielt im fairen Handel jetzt in der ersten Liga“sagte er. Doch bis dahin sei es ein langer Weg gewesen, waren sich alle Beteiligten einig.
Ganz besondere Bedeutung komme dabei den kirchlichen Organisationen Misereor und Missio zu. „Der Eine-Welt-Gedanke ist ja vor allem ein christlicher Gedanke“, meinte Mona Pursey vom Eine Welt Forum Aachen.
Überall präsent
In Aachen gibt es heute 60 Läden und 30 Gaststätten, die fair gehandelte Produkte anbieten. Daneben verzeichnet auch der Aachener Weltladen laut Vorstandsmitglied Jan Konwinsky einen guten Zuwachs. Seine Kunden schauten nicht so sehr auf die Preise, sondern kauften, was ihnen gefalle, sagte er.
Die erste „Fairtrade-Town" wurde im Jahr 2000 in England ausgezeichnet, so Overath. Von dort aus habe sich die Bewegung über Europa ausgebreitet. In Aachen sei das Thema fairer Handel inzwischen praktisch überall präsent, meinten die Beteiligten. Und welchen Segen das für die armen Länder bringt erzählte Josephat Sylvand von eine Kaffeekooperative in Tansania.
„Wir sollten wirklich genau hinsehen, woher die Produkte komme, die wir essen“, betonte Hilde Scheidt. „Sonst stellen wir plötzlich fest, dass wir Schokolade für Kinder von Kindern essen.“ Mit Blick auf die zahlreichen Lebensmittelskandale sei es ratsam, nicht so sehr auf den Preis, sondern auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten. Auch wenn Aachen jetzt das Logo „Fairtrade-Town“ bekommen hat, wollen sich die beteiligten Organisationen mit dem Erreichten doch nicht zufrieden geben. Sie wollen weiter an dem Thema arbeiten. „Fair gehandelte Printen wären nicht schlecht“, meinte beispielsweise ein Gast.
Aachener Zeitung 27.09.2011
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Gibt es demnächst imWestzipfel auch faire Printen?
Aachen darf sich jetzt offiziell ,Fairtrade-Stadt" nennen. Begehrtes Logo ist Auszeichnung, aber auch Auftrag für die Zukunft.
VON ALJONA HARTSTOCK
Aachen. Im Weißen Saal des Rathauses sieht man viele strahlende Gesichter. Grund zur Freude gibt es allemal, denn nun darf sich Aachen offiziell „Fairtrade-Stadt" nennen. Zu der Verleihung der Urkunde sind auch viele Menschen erschienen, die aktiv bei den Vorbereitungen mitgewirkt haben. In kleinen Talkrunden erzählen sie von der Arbeitsorganisation, von Erfolgserlebnissen aber auch von Hindernissen auf dem Weg zum begehrten Logo. „Es war eine Querschnittsaufgabe", sagt die EineWelt-Koordinatorin Mona Pursey. Fachliches Engagement war ebenso gefragt wie die Zusammenarbeit der Eine-Welt-Gruppe mit der Kommune. Aus diesem Grund wurde eine Steuerungsgruppe aufgestellt, die sich regelmäßig getroffen und gemeinsam auf das Ziel hingearbeitet hat.
Fairtrade hilft - von Aachen aus in aller Welt. Wie ein fairer Preis den Produzenten im Herkunftsland helfen kann, erzählt Joseph Sylvand, Manager einer Kooperative in Tansania. Die Zusammenarbeit mit Fairtrade habe es ermöglicht neue Häuser zu bauen, Schulgelder zu bezahlen, Sanitäranlagen zu errichten und auch Wasserpumpen aufzustellen. So müssten die Menschen keine langen Wege mehr zurücklegen, um zum Wasser zu gelangen. Für Dieter Overath, den Geschäftsführer von TransFair, ist Fairtrade vor allem auch Hilfe zur Selbsthilfe (Empowerment). Die Produzenten bekämen die Möglichkeit, sich eigenständig weiterzuentwickeln.
Bei der Überreichung der Urkunde an Bürgermeisterin Hilde Scheidt, lobt Overath den hohen Anspruch Aachens bei der Erfüllung der notwendigen Kriterien auf dem Weg zum Titel „Fairtrade- Stadt.
Er äußert jedoch auch Wünsche für die Zukunft:
„Wenn ich in zwei Jahren wiederkomme, würde ich gern faire Printen sehen", sagt er. Insgesamt solle der Fairtrade-Gedanke in der Stadt sichtbarer werden, beispielsweise durch entsprechende Aufsteller in den Läden.
Für Bürgermeisterin Scheidt ist die Auszeichnung ein großer Schritt nach vorn. Auf dem Erfolg ausruhen sollte man sich aber nicht: „Wir sind noch lange nicht am Ende unserer Bemühungen", sagt sie. Hohe Überproduktionen seien ein Problem. „Lebensmittel sollten nicht etwas sein, das weggeworfen wird", sagt Scheidt. Die Aufgabe der Stadt sieht sie darin, die Bürger zu informieren. Es sei wichtig, zu zeigen, dass fair gehandelte Produkte kein Luxus sind. Auch vor Bauchschmerzen müsse sich nach dem Verzehr von fair gehandeltem Kaffee heute keiner mehr fürchten. ,,Neben dem Image hat sich auch die Qualität der Produkte in den letzten Jahren deutlich verbessert", sagt Ulla Grysar, Vertreterin aus dem Ehrenamt. Davon konnten sich auch die Besucher der Verleihung bei fair gehandelten Keksen, Kaffee und Saft selbst überzeugen.